Im Land von „Burger Queen“, „Pizza Hot“ und „Khmer Fried Chicken“

Die Abzweigung nach Kambodscha ist schwer zu finden: Kein einziges Schild zeigt auf die kleine dirt road, die mitten im Nirgendwo in den Wald hinein führt. Grenzverkehr gibt es hier praktisch keinen und nur ein paar Frösche flüchten sich in die unzähligen Schlammlöcher auf der Strasse. Wir fragen uns, was uns in Kambodscha alles erwarten wird. Wie sich später zeigt, treffen wir da auch auf Hobbes und sein Tuna-Sandwich, aber zuerst müssen wir über die Grenze…

Das hölzerne Grenzhäuschen ist gerade mal 2 x 2m gross und den Beamten fällt es sichtlich schwer sich vom Boggia-Spiel loszureissen. Zuerst wollen sie 2$ pro Stempel (100% Sonntagszuschlag), lassen sich dann aber etwas herunter handeln. 😉

Ab der Grenze wird die kleine dirt road plötzlich zu einer nigelnagelneuen Autobahn (von den Chinesen spendiert). Ansonsten gibt’s hier aber gar nix und ich frage mich, weshalb eine Strasse in der flachen, überall gleich aussehenden Landschaft so viele Kurven hat…

Im kleinen Ort Kratje bleiben wir dann krankheitshalber etwas länger stecken. Reto hat Durchfall mit Fieber und ich eine allergische Reaktion mit Schüttelfrost – vermutlich beides vom selben Tuna-Sandwich. Naja, kann ja passieren… wie Felix weiss wurde schliesslich auch Hobbes (aus Calvin & Hobbes) mit einem Tuna-Sandwich gefangen 😉

In einer solchen Situation wird einem erst so richtig bewusst, wie verwöhnt wir Schweizer mit medizinischer Versorgung sind. Hier rät uns ein westlicher Guesthousebesitzer stark davon ab, zum Arzt zu gehen und verbietet dies sogar seinen Angestellten: „Der Arzt würde ihnen sowieso nur das teuerste Medikament verschreiben und damit sie und ihre Familien in Schulden stürzen“. Das nächste brauchbare Spital ist in Phnom Penh, mit dem Bus 6h von Kratje entfernt…

Auch Kambodscha ist wieder völlig anders zu den Ländern, die wir bisher bereist haben. Der Unterschied zu Laos ist deutlich spürbar. Während dort morgens zum Teil noch die Blätter von der dirt road gefegt wurden, landet hier ein Grossteil des anfallenden Abfalls auf der Strasse. Im krassen Gegensatz dazu steht der Fakt, dass jeder das allerneueste Mobiltelefon besitzt…
Laos erschien uns wie um einige Jahrzehnte in der Zeit zurückversetzt. Hier hingegen gibt es sämtliche westliche Produkte oder zumindest eine gute Kopie davon. Dadurch wiederum wird die Armut aber viel stärker sichtbar.

Apropos Kopien: in dieser Disziplin sind die Kambodschaner wahre Meister. Nur zu schade, dass die WTO gegen „Burger Queen“, „Pizza Hot“ und „Khmer Fried Chicken“ etwas einzuwenden hatte. Der „Lucky Double Burger“ kommt dem Big Mac aber immer noch zum verwechseln nahe und Lonely Planet’s Reiseführer verschiedenster Länder werden weiterhin frisch fröhlich in die Kopiermaschine gefüttert und anschliessend pik fein gebunden.

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