Sir, Tuk tuk, Sir!?
Unser Guesthousebesitzer erklärt uns lang und breit, dass er aus Versicherungsgründen keine Motos mehr vermietet. Seine Angestellten sehen dies aber anders, und ist er einmal ausser Haus geht die Vermietung ruckzuckzackzack: innerhalb von wenigen Minuten sitzen wir auf einem Motorrad und bezahlen erst noch nur die Hälfte.
Etwas nördlich der Stadt finden wir dann auch die wenigen pinken Süsswasserdelphine, die noch in der braunen Brühe des Mekong’s planschen…
Da Reto’s Durchfall immer noch nicht nachlässt nehmen wir den Minibus nach Phnom Penh. Auch diese Fahrt ist ein Erlebnis für sich: Eine zukünftige Englischlehrerin erklärt mir, dass das Holz unter unseren Bänken illegal transportiert wird und wir deshalb an jeder Ecke anhalten müssen um Schmiergelder zu bezahlen. Einige Personen fahren auf dem Dach mit und klettern zum Teil sogar während der Fahrt durch die Fenster in den Bus rein oder raus.
Was uns an Phnom Penh wohl am stärksten in Erinnerung bleibt ist der Ruf „Sir, Tuk tuk, Sir!“, der von allen Ecken ertönt. Mit der Antwort „No thank you, my friend!“ erntet Reto zu Beginn noch erstaunte Blicke, aber bald schon tönt es von überall her „Hello my friend! Tuk tuk, my friend?!“
Als sich einer vorstellt mit „Hello, I’m Charlie Chaplin“, lacht Reto und meint: „and I am Mickey Mouse“. Charlie aber drückt uns mit ernstem Gesicht seine Visitenkarte in die Hand.
Sie trägt die Aufschrift:
Charlie Chaplin, taxi driver
- can answer all question’s
- can arrange everything
- but nothing illegal
Der Königspalast am Geburtstag der Queen
Ein viel viel ernsteres Kapitel aus Kambodscha’s Geschichte erzählt uns die Kassenfrau des Museums S21, als sie uns durch die Ausstellung im alten Vernichtungslager führt. Während eines 4-jährigen grausamen Bürgerkriegs brachte die kommunistische Rote Khmer tausende Kambodschaner aller Gesellschaftsschichten und Altersstufen um.
Was hier auf Bildern und Fotos an Brutalität und Unmenschlichkeit zu sehen ist, übertrifft das Vorstellbare. Die meisten Kambodschaner haben in diesem Krieg Angehörige und Freunde verloren. Umso erstaunlicher wirkt es, dass frühere Rote Khmer und frühere Häftlinge nun wieder in ein und derselben Gesellschaft friedlich zusammenleben.
In Siem Reap tauchen wir zum zweiten Mal in die Ankorzeit ein. Die Tempel von Ankor Wat sind eindrücklich – die Touristenmassen auch!
Hier werden sogar wir zu Frühaufstehern. Kurz nach Sonnenaufgang wirken die gigantischen, zum Teil von Moos und Bäumen überwachsenen Tempel noch mystisch. Schon wenige Stunden später aber werden sie zum Disneyland mit Menschenschlangen vor den Fotospots.
Comment von Reto: „Petra, wie machen die Touristen?“
Klick, klick, klick, klick
Der berühmteste und best erhaltene Tempel: Ankor Wat
216 Steingesichter lächeln von den 54 Türmen des Bayon Tempels
Während einem Regenguss seufzt ein kleiner Junge, der Postkarten und Armreife verkauft, dass bei diesem Wetter die Geschäfte schlecht liefen. Er kennt nicht nur die Hauptstadt der Schweiz, sondern auch das Wort „Hello“ in allen vier Landessprachen, sowie die Einwohnerzahl sämtlicher Europäischen Länder. Wir kaufen zwar trotzdem nichts, aber er kriegt eine Pilatus-Postkarte als Trostpreis. Einem aufdringlichen Mädchen verspricht Reto eine Flöte abzukaufen, wenn sie den Prime Minister der Schweiz kenne… Eifrig düst sie los 😉
Eingangstor zu Ankor Thom und Bayon
Die Tempel bleiben auch heute ein spiritueller Ort und wir treffen viele Mönche und Nonnen an.
Unser Flug nach Singapur kostet gerade mal 60$, das Übergepäck der Velos fast doppelt soviel. Da runzelt der Angestellte auf dem Airline-Büro nur die Stirn, macht ein paar Telefonate und meint schliesslich, wir sollen doch lieber dem Flughafenpersonal etwas Geld geben, damit sie das managen… das käme viel günstiger! Und tatsächlich, so günstig werden Ygramul und Artax wohl nie wieder fliegen!
PS: Das Restaurant „Dead Fish“ in Riem Reap hat so einiges zu bieten: Die vielen, durch Treppen und Leitern verbundenen, Fussbodenstücke schweben alle auf einer anderen Höhe und geben dem Raum ein seltsam 3-dimensionales Aussehen. Das Essen wird dann mittels Seilbähnli zum entsprechenden Tisch transportiert. Mit Alkohol sollte man hier allerdings vorsichtig umgehen, denn Geländer gibt es keine, nicht mal über dem Krokodilteich, der sich ebenfalls im Restaurant befindet… Crazy!
