Dem Titicacasee entlang…
Widererwarten schaffen wir es ohne Kohlenmonoxid-Vergiftung nach Puno. Auf halber Strecke ziehen wir es aber vor unsere Velos einen schlechten Schotterweg hinaufzuschieben um nicht von einem der vorbeidonnernden Bussen platt gewalzt zu werden.
Bereits am naechsten Morgen fahren wir auf dem Titicacasee zu den schwimmenden Inseln von Uros. Hier zeigen uns die Einheimischen, wie sie nicht nur ihre Haeuser und Boote, sondern auch die Inseln auf denen sie leben aus Schilf herstellen. Das Gehen auf den Inseln fuehlt sich an wie auf einer riesigen Wasserbett.
Obwohl diese Menschen (mal abgesehen von einem solarbetriebenen Fernseherchen) noch immer wie zu Inka-Zeiten leben, kommen wir uns ein Bisschen vor wie in einem grossen Theater. Da die Touristenstroeme genau dieses Leben sehen wollen, koennen sich die Inselbewohner gar nicht weiterentwickeln. Denn dadurch wuerden Sie ja ihre groesste Einnahmequelle zerstoeren… Nur ca. 10% dieser Floating-Island-Bewohner entziehen sich dem Tourismus und halten sich in einem anderen Teil des Sees auf.
Bald schon tuckern wir weiter zur Isla Taquile. Hier herrscht eine gemuetliche Welt mit eigenen Regeln. Es ist zum Beispiel einfach zu erkennen, wer noch zu haben ist: Single-Maenner tragen eine weiss-rote Muetze, verheiratete eine rote und wichtige Personen eine farbige Muetze oder einen Hut oder beides. Polizei gibt es hier nicht und Gesetze herrschen noch dieselben wie zu Inka-Zeiten: Luege nicht! Stiel nicht! Und sei nicht faul!!!
Digitalkamera-Crashkurs mit Nelson, einem jungen Taquilaner
Die Taquilaner haben es geschafft von den Spaniern lange Zeit unentdeckt zu bleiben und managen auch noch heute erfolgreich die Touristenmassen, die zur Mittagszeit fuer einige Stunden die Insel ueberfluten. So werden wir Touristen gerecht an Restaurants und Homestay-Families verteilt, so dass jeder ein Bisschen was abkriegt und der Verdienst auf jeden Fall auf der Insel bleibt.
Sonnenaufgang mit Regen aus dem Schlafsack heraus fotografiert…
Aussicht aus einer Toilette 🙂
Zwei Tage spaeter sind wir bereits in Copacabana auf der bolivianischen Seite der Grenze und machen von hier aus einen Ausflug auf die Isla del Sol. Die Blicke auf das grosse Blau sind gigantisch, als wir quer ueber die Insel wandern. Die Inka-Ruinen etwas weniger…
Auf der Karte hatte ich eine einzelne klitzekleine Hoehenlinie uebersehen. Naja, die 450 Hoehenmeter muessen wir nun trotzdem hoch, da ist nichts zu machen… Fuer die Abfahrt ziehe ich mich an wie zu Hause auf der Ski-Piste. Die 7 Grad sind trotzdem “freezing”! Noch lange radeln wir hoch ueber dem See dahin, im Hintergrund die schneebedeckten Gipfel der Cordillera Real. Immer wieder sprechen wir versehentlich vom Meer, denn dass es sich bei einem soooo grossen und soooo blauen Gewaesser um einen See handelt, erscheint einfach unvorstellbar!
Ich fuehle mich der Erschoepfung nahe, als uns nach 95 km und 930 Hoehenmetern doch noch jemand ein ueberteuertes (3.20 CHF) Zimmer vermietet. Es liegt direkt neben einem Radio-Studio. So sind wir wenigstens zur Genuege mit lauter Musik versorgt 😉
Unterdessen sitze ich bei ca. 33 Grad an einen Baum gelehnt, sehe ueber mir die Adler kreisen und unter mir ein Krokodil baden, aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzaehlt werden…
