Schni Schna Schnappi

Die naechsten paar Tage lassen sich mit nur einem Wort beschreiben: CRAZY! Aber als das kleine Flugzeug sanft auf der Gras-Piste von Reyes aufsetzt, wissen wir noch nicht, dass wir bald mit Krokodilen, Delphinen und Piranhas zusammen baden gehen…

Am naechsten Morgen doesen wir im Minibus vor uns hin als dieser durch die endlose Pampa holpert. Ploetzlich aber stoppt er abrupt, unser Guide sprintet raus und hat im naechsten Moment eine Kobra am Schwanz. Die Schlange wehrt sich und er muss immer wieder ausweichen, wenn sie ihn zu beissen versucht. Sie ist mit ca. 1,8 m aber noch klein und hat zu wenig Kraft um sich bis zu ihm aufzurichten. Mit einer schnellen Bewegung packt er die Giftschlange hinter dem Kopf und legt sie einigen von uns um den Hals.

Die anschliessende Bootsfahrt zum Jungle-Camp dauert rund 3 Stunden. Reto sieht alle 10 m ein Krokodil. Zuerst glaube ich ihm nicht, aber dann sehe ich sie auch. Nur Augen und Nasenloecher schauen jeweils aus dem Wasser, waehrend sich andere am Ufer sonnen. Krokodile wohin man schaut – in allen Groessen und Farben und oft nur wenige Meter von uns entfernt.


Aetschpaetsch, die restlichen Schildkroeteneier haben wir zum Znacht gegessen

Auch Schildkroeten und Wasservoegel sehen wir in Massen. Eine Vogelart schwimmt unterwasser, waehrend der Hals wie ein Uboot-Guckrohr aus dem Wasser schaut. Eine Ratten-Art von der Groesse eines gut gebauten Schaeferhundes beeindruckt ebenfalls. Adler kreisen hoch ueber uns und huebsche Paradies-Voegel kraechzen heiser aus dem Gebuesch, waehrend die Geier meist abgestorbene Baeume als Sitzplatz waehlen.

Das Camp besteht aus einigen Bretter-Huetten mit Massenschlaegen und Moskitonetzen. Speziell zu erwahnen ist aber die heitere Kuechenmannschaft, die selbst unter erschwerten Bedingungen erstaundliche Menus zaubert und bei Bedarf auch mal eine toedliche Giftschlange abmurkst. Selbst darueber dass diese kurz darauf von einem interessierten Spanier mit Messer und Gabel in Einzelteile zerlegt wird, sieht man grosszuegig hinweg.

Am zweiten Tag streifen wir mit loechrigen Gummistiefeln stundenlang durch meterhohes Gras und stapfen durch tiefen Morast um eine Anakonda zu suchen. Jungle-Jonny aus England wird schiesslich fuendig. Die Wuergeschlange ist zwar nicht giftig, stinkt aber wie direkt aus dem Klo gefischt.


Eduardo alias Captain Jack Sparrow mit Kamera auf Anakondajagd

Am Nachmittag ist Baden angesagt. Wir fahren deshalb den Fluss hinunter, bis wir die pinken Suesswasserdelphine finden. Von der Theorie der Guides, dass die Delphine uns vor den Krokodilen und anderen Viechern beschuetzen wuerden bin ich allerdings nicht von Anfang an ueberzeugt. Vor allem die Tatsache, dass neben unserem Boot ein Kaiman am Ufer liegt, macht mich irgendwie stutzig. Als nach 20 Minuten aber immer noch niemand gefressen wurde traue ich mich trotzdem in die braune Bruehe. Eine gewisse Spannung bleibt aber doch zurueck und bei einer starken Wasserbewegung (vermutlich durch die Delphine) erschrecke ich zu tode.

Nach zwei Stunden Generator-Strom geht abends das Licht aus und wir vergnuegen uns bei Kerzenlicht mit einer Gitarre und ein paar flaschen Wein. Irgendwann sind dann aber auch die leer und wir beschliessen zur Sunset-Bar zu fahren. Zu Gitarrenmusik steuern wir durch die Nacht. Unzaehlige Krokodil-Augen reflektieren im Licht unserer Stirnlampen und vom Licht desorientierte Fische springen ins Boot.

“Fressen und gefressen werden”, lautet am naechsten Morgen das Motto: Wir gehen auf Piranha-Fang! Etwas weiter Flussauf als wir gestern gebadet hatten, werfen wir nun die mit Fleisch bestueckten Hacken aus. Der Guide hat natuerlich am meisten Erfahrung und schon bald von jeder der drei Arten einen herausgezogen. Als er einem roten Piranha einen Fisch vor die Nase haelt beisst dieser noch zu, obwohl er an der Luft und selbst kurz vor der Sterben ist. Das Geraeusch splitternder Knochen werden wir wohl nicht so schnell wieder vergessen.


Lebender Piranha

Auch das halbrunde Stueck das er mit einer wahnsinnigen Beisskraft aus dem anderen Fisch heraus riss, kommt mir sofort wieder in den Sinn, als ploetzlich eines dieser Biester an meiner Angelschnur zappelt. Ich bin ganz schoen froh, als mir Reto zu Hilfe kommt und den zappelnden Beisser vom Hacken montiert.


Toter Piranha

Als “Captain Jack Sparrow” ein Piranha aus der Hand flubbert und durch die Wasserlachen im Boot huepft, waehrend die anderen daneben in Flipflops ihre Fleischstuecke baden, kann ich fast nicht hinsehen… Naja, im Teller sehen die Biester dann jedenfalls angenehmer aus und schmecken sogar ganz gut!

Am Nachmittag machen wir uns dann auf den langen Weg zurueck in die Zivilisation. Noch einen Karaoke-Abend mit der 7-koepfigen Jungle-Truppe und schon sitzen wir im kleinen 20-Plaetzer, der von Turbulenzen nur so herumgeworfen wird, als wir durch die dicke Wolkenwand fliegen, die sich vor der Cordillera Real staut.

Eigentlich sind wir nicht mal so ganz boese unterdessen wieder oben auf dem kargen Altiplano zu sein. Nicht nur weil es nach einem solchen Flug irgendwie beruhigend ist wieder festen Boden unter den Fuessen zu haben, sondern auch weil einem hier weder Ameisen uebers Fruehstueck spazieren noch Moskitos um die Ohren surren und auch die Naechte nicht mehr so wortwoertlich “heiss” sind 😉

See ya later alligator,
Petra und Reto


Zum Schluss noch die groessten lebenden Nagetiere der Erde, die Capybaras

Posted by