Seen, Vulkane und Weihnachten bei 30 Grad Celsius
Schneeweiss und unglaublich faszinierend tront der Vulkan Villarica ueber der umliegenden Seenlandschaft. Mit seiner gleichmaessigen Form schreit der riesige Kegel gerade zu danach bestiegen zu werden. Wir stapfen mit einer gefuehrten Tour los und stossen bald schon auf festgefrorenen Schnee, kriegen deshalb Steigeisen auf die Veloschuhe geschnallt und eine kurze Erklaerung zur Benutzung des Eispickels…

Vulkan Villarica (2’847 m.ü.M.)
Ganz nach oben schaffen wir es aber trotzdem nicht. Der Himmel ist zwar strahlend blau und die Aussicht atemberaubend, aber es habe viel zu viel Wind schreien uns die Bergfuehrer zu. Fuer uns ist dies natuerlich eine herbe Enttaeuschung, denn zu gerne haetten wir einen Blick in den rauchenden Krater des aktivsten Vulkans von Suedamerika geworfen. Aber vielleicht ist es ja besser so, denn in unserer Gruppe sind auch einige Israelinnen, die mit Absatzschuhen wohl besser zurecht kommen als mit Steigeisen 😉


Vulkan Villarica (2’847 m.ü.M.)
Unverrichteter Dinge fahren wir dann los zum naechsten Vulkan. Bis zum Andenpass beim 3’747 m hohen Lanin sind es aber noch viele unglaublich steile Hoehenmeter. Verglichen mit dem Altiplano erscheint der 1’200 m hohe Pass zwar geradezu laecherlich, aber waehrend dem Sprachaufenthalt in Sucre hatten wir an Muskeln verloren, was wir an Bauch zulegten und so kommen wir mit mueden Beinen oben an.

Vulkan Lanin (3’747 m.ü.M.)
Am Grenzuebergang treffen wir drei Argentinische Biker, die mit dem Bus auf dem Heimweg sind. Ganz aufgeregt huepfen sie um unsere Raeder herum und stellen allerlei Fragen. Als dann einer Reto’s Rad anhebt um das Gewicht zu schaetzen, fallen ihm fast die Augen aus dem Kopf. Es gebe Wege um Gewicht zu sparen, meint er. Uns ist zwar klar, dass er dabei an einen Alurahmen mit XTR-Komponenten denkt, aber ein Bisschen Recht hat er dennoch. Unterdessen hat sich ganz schoen viel Gruempel angesammelt und Artax und Ygramul bringen auch ohne Wasser und allzuviel Food locker 40 bis 50 kg auf die Waage.
Als wir dann in San Martin de los Andes einen boesen Muskelkater auskurieren wird es uns gleich nochmals klar: Abspecken ist angesagt! Dies ist allerdings leichter gesagt als getan, denn einfach ist es ohnehin nicht Bett, Kueche, Kleiderschaft, Werkstatt, Buechergestell, Vorratsschrank und Medizinkaestchen in acht Packtaschen hinein zu kriegen. Ausserdem heisst Gewicht reduzieren immer auch Luxus reduzieren. Naja, in Zukunft muessen halt wieder zwei T-Shirts und eine Hose reichen und auch die 400g-Nesquick-Buechse bleibt da…
An der «Ruta de los siete Lagos» gibt es zwar deutlich mehr als sieben der klaren Bergseen und auch an Schneebergen fehlt es nicht, aber die Landschaft erinnert schon zu stark an die Schweiz um wirklich spektakulaer zu wirken. Auch die Strasse faellt ziemlich bergig aus: Es geht dauernd entweder steil bergauf oder steil bergab, aber selten etwas dazwischen.

Lago Falkner


Auch mit dem Wetter haben wir Glueck. Es ist sogar so unverschaemt schoen, dass wir die Thermoskanne zum Kuehlschrank umfunktioniern muessen um unsere Schockoladenvorraete vor der Hitze zu schuetzen. Bei solchen Temperaturen kommt irgendwie gar keine rechte Weihnachtsstimmung auf. Natuerlich wollen wir trotzdem etwas feiern und treffen deshalb Sabine und Stefan.
Die beiden Verrueckten aus Deutschland, die die Death Road von von unten nach oben radeln, hatten wir naemlich schon auf dem Altiplano immer mal wieder getroffen und uns super mit ihnen verstanden. Als wir aus dem Bus steigen haben sie auch bereits eine gemuetliche Huette gemietet und Fleisch in (fast) argentinischen Mengen eingekauft. Fuer vier Personen sei das aber etwas knapp meint der Besitzer der Cabaña, als er unser riesiges Rippenstueck neben dem Zicklein das er fuer seine Familie braet auf den Grill legt. Puenktlich um Mitternacht stossen wir dann mit der Festgesellschaft an, denn hier wird Weihnachten aehnlich gefeiert wie bei uns Silvester und auch Geschenke gibt’s nur fuer diejenigen, die auch noch an den Weihnachtsmann glauben.
Drei Schiffsfahrten und ein Pass sind es bis nach Chile. Viel Zeit um die Schneeberge zu fotografieren bleibt allerdings nicht, denn bei jedem Halt fallen ganze Pferde-Bremsen-Schwaerme ueber uns her und ausserdem wollen wir ja zusammen mit den Bus-Touristen das dritte Schiff erreichen. Nach einem erfrischenden Bad im See tuckern wir dann an zwei gigantischen Vulkanen vorbei und verdruecken stolz die Salami, die wir erfolgreich an den chilenischen Grenzbeamten vorbei geschmuggelt hatten.

Eine hungrige Moeve schnappt sich im Vorbeiflug ein Bisquit aus Reto’s Hand

Vulkan Tronador (3’491 m.ü.M.)

Vulkan Puntiagudo (2’493 m.ü.M.)

Wenige Kilometer spaeter sind wir dann bereits am Meer, oder das Meer ist bei uns, je nach dem wie man das nennt, wenn ein Fjord so weit ins Land hinein ragt. Dicke Regentropfen fallen von unseren Helmen als wir einem kleinen Schotterstraesschen entlang pedalen. Es erhebt sich immerwieder weit ueber den tuerkisblauen Fjord und beschert uns damit wunderschoene Ausblicke und Muskelkater in den Beinen.
Im dichten Regenwald, der uns umgibt ist nicht daran zu denken ein Zelt aufzustellen und wir klopfen deshalb immer mal wieder bei den Einheimischen an. Obwohl sie uns praktisch immer auf ihrem Land Campieren lassen haben wir es nicht immer ganz leicht: Einmal kaempfen wir mit der Sprinkleranlage eines reichen Fotografen und ein andermal mit den hungrigen Schweinen eines netten Bauerns.
Pflitsch nass und ganz schoen muede kommen wir schliesslich am Silvesterabend in Hornopieren an. Wir ueberlegen schon, die Uhr einfach eine halbe Stunde vorzustellen um endlich ins Bett fallen zu koennen, doch daraus wird nix. Denn fuers Neue Jahr werden auch wir Gringos aus dem Zimmer geholt, kriegen einen Teller Fleisch und ein Glas Bole in die Hand gedrueckt und von der ganzen Guesthouse-Familie eine herzliche Umarmung und einen Kuss auf die Backe.
Liebe Gruesse aus Chile und ein tolles neues Jahr,
Petra und Reto
PS: Kleine Skorpione neben unserem Zelt 😀

