Enchanted Islands
Szenenwechsel
Bei tropischen Temperaturen lassen wir die Fuesse ueber dem Meer baumeln, waehrend unter ihnen das Wasser gegen den Bootsrumpf plaetschert und eine wunderschoene Vulkanlandschaft an uns vorbei zieht.
Auf dem Heimweg haben wir naemlich noch einen «kleinen» Umweg zu den Galapagos-Inseln gemacht…
Patagonien erscheint bereits unendlich weit weg und die letzten Tage waren anstrengend gewesen. Haetten wir gewusst, wieviel Papierkrieg noetig ist um zwei Raeder per Cargo nach Hause zu senden, haetten wir es uns vielleicht anders ueberlegt. So sind wir aber am Tag von einem Office zum andern und wieder zurueck gerannt und haben in der Nacht am einzigen PC im Hostal unsere Bewerbungsunterlagen zusammengestellt. Petra von 24.00 bis 03.00 Uhr und Reto von 03.00 bis 06.00 Uhr!
Ich weiss noch allzugut, wie der Zoll-Agent seine Augen verdreht hatte, als wir ihm erklaerten, dass wir noch heute die Ausreise-Erlaubnis fuer Artax und Ygramul braeuchten, denn das entsprechende Buero (in dem wir uebrigens schon am Morgen waren) war unterdessen natuerlich laengst geschlossen. Aber zum Glueck sind wir ja in Suedamerika: Nach ein paar Telefonaten mit seinen Amigos hatten wir jedenfalls den Schluessel und bald darauf auch den so schwer erhaeltlichen Fakel, auf welchem entaeuschenderweise nicht mehr als etwa 10 Woerter standen.
Im Nullkommanix befanden wir uns dann in einem Land, dessen Klima uns platt machte, dessen Spanisch wir kaum verstanden und dessen Gefahren wir noch nicht kannten: Bienvenidos a Ecuador!
Ein netter kleiner Ausflug nach Cuenca wurde schlussendlich ganz schoen nervenaufreibend, da der Rueckweg nach Guayaquil durch eine gigantische Schlammlawine blockiert war, die kurz vor unserem Bus niedergegangen war. Da wir den anschliessenden Flug um keinen Preis verpassen durften, blieb uns nichts anderes uebrig als mit Sack und Pack durch den mehr als knietiefen Morast zu waten um auf den anderen Seite den Bus zu erreichen, bevor dieser Kehrt machte.
Aber wie gesagt, das alles erscheint bereits seeeehr lange her…
Unterdessen gondeln wir auf der Motoryacht Angelito von einer Insel zur naechsten. Die langen Strecken legen wir dabei jeweils nachts zurueck, damit wir am Tag soviel Zeit wie moeglich auf den Inseln und im Wasser darum herum verbringen koennen. Auch an den Luxus, der uns hier entgegenschlaegt, muessen wir uns geradezu gewoehnen. So hatten wir uns zum Beispiel extra fuer diese Tour Badetuecher gekauft und diese doch kein einziges Mal gebraucht. Denn wenn wir nach dem Schnorcheln aus dem Wasser steigen steht jeweils nicht nur ein Stapel frischer Tuecher bereit, sondern auch Fruchtsaefte und ein Snack.
Selbst mit unseren Mitreisenden haben wir Glueck, denn nachdem wir in Puerto Ayora einige Gruppen voll komplizierter Edeltouristen beobachtet hatten, sind wir sicherheitshalber mit drei Flaschen Rum, sechs Litern Cola und vier Buechern angerueckt. Bei uns ist aber von den Backpackern bis zur Diplomatin alles dabei (was es aber keineswegs verunmoeglicht den ganzen Rum loszuwerden 😉 !
Yate Angelito 1
Schon am ersten Tag wird die Angelito von Haien umkreist, eine echte Motivation fuer den morgigen Schnorcheltag!
Wie ihr vielleicht wisst, sind die Galapagos Inseln vulkanischen Ursprungs und verfuegen ueber eine erstaundliche Tierwelt. Unserer Meinung nach sind es aber nicht die vielen endemischen Tierarten, die den Zauber dieser Inseln ausmachen, sondern die Tatsache, dass sie vor dem Menschen fast gar keine Scheu zeigen. Selbst Darwin war erstaunt, dass die Tiere hier so «leichtsinnig» seien, dass man sie locker von Hand fangen können.
Ok, eine Schildkroete fangen ist nicht schwer…
Und tatsaechlich muss unser Guide Diego oft erst die Seeloewen vom Landesteg jagen, damit wir ueberhaupt aussteigen koennen und wir passen auf um nicht auf eine Eidechse zu treten oder ueber einen jungen Boobie zu stolpern, dessen Mutter ihr Nest intelligenterweise mitten auf dem Touristenpfad gebaut hat; Reto flucht oft genug, weil ihm ein Leguan so nah vor die Linse latscht, dass er ihn mit dem Teleobjektiv nicht mehr scharf stellen kann und ein Reiher hat auf der Jagd nach einem Krebs gar einen Zusammenstoss mit Herberts Bein.
Beim ersten Inselbesuch hatten wir es kaum geschafft 20 m am Stueck zu gehen bevor wir bei der naechsten Spezies stehen blieben und kamen uns dabei wie in einem Zoo ohne Gitter vor. Bis jetzt dachten wir eigentlich, dass «Birdwatching» gezwungenermassen mit langem in die Bäumestarren verbunden ist. Hier gefaellt es uns aber wahnsinnig durch die riesigen Vogelkolonien zu spazieren und den Fregattvoegeln und Blaufuss Boobies aus naechster Naehe beim Balzen, Brueten und vor allem beim Fischen zuzusehen oder einen Pelikan auszulachen, der einen aufgeblasenen Ballonfisch im Schnabel hat und nicht so recht weiss, wie er den nun schlucken soll.
Fuer uns Wasserratten sind die groessten Highlights aber im Meer zu finden. Als wir uns bei der Insel Genovesa vom Beiboot fallen lassen ist die Stimmung vorerst noch etwas angespannt, denn hier sollen schliesslich die grossen Hammerhaie ihre Runden ziehen. Sehr bald steht dann auch schon einer da und ich tauche – das Herz in der Badehose – zu Reto auf, waehrend der Hai majestaetisch davonzieht.
Als dann ploetzlich eine Delphinschule angeschwommen kommt sind die Haie aber sofort alle vergessen, wir schwimmen diesen eindruecklichen Saeugetieren hinterher ins Meer hinaus und lassen uns von ihrem Pfeifen verzaubern. So schnell wie sie gekommen sind, sind sie dann auch wieder weg. Ist aber nicht so schlimm, denn nun beschaeftigen wir uns mit zwei Manta Rays, die in der Tiefe dahinschweben. Als wir dann schon mal unten sind, sehen wir auch eine Schule von ueber 20 Golden Rays, die in ihrer Formation an ein riesiges goldbraunes Tuch erinnern. Doch noch bevor wir richtig zu Atem kommen sind auch schon die Delphine wieder da… einfach unglaublich!
Auch die kleinen Galapagos-Pinguine an uns vorbeipfeilen zu sehen un mit einer Meeresschildkroete dahin zu paddeln ist eindruecklich. Die weitaus besten Spielgefaehrten sind aber die jungen Seeloewen. Mit ihnen kann man locker auch mal um die Wette schwimmen, sich gegenseitig erschrecken oder zwischen den Steinen Versteckis spielen… zumindest bis der grosse Papa vorbeikommt und wir uns respektvoll verziehen 🙂
Nachdem wir uns auch zur Genuege den Land- und Meeresechsen gewidmet und die beruehmten Riesenschildkroeten aufgespuert haben, denen die Jahrhunderte so richtig ins Gesicht geschrieben stehen, muessen wir uns dann aber leider schon wieder von unseren Reisekumpanen und der netten Crew verabschieden, die uns waehrend den letzten acht Tagen so richtig verwoehnt hatte.
Nachdem wir unseren Rueckflug 3 Mal herausgeschoben haben, 3 Monate durch Suedostasien und 8 Monate durch Suedamerika geradelt sind, haben wir uns mit den Galapagos-Inseln einen unvergesslichen Reiseabschluss gegoennt und freuen uns nun doch auf eine luftdichte Matraze, ein Bett ohne Kleingetier, eine Dusche die einem weder einfriert noch verbrueht, Essen ohne magenfeindliche Bakterien, die Auswahl zwischen mehr als einem Paar Hosen, ein fixes Dach ueber dem Kopf ohne kaputte Reissverschluesse, Trinkwasser aus dem Hahnen ohne erst mit Filter und Wassersack zum Fluss zu pilgern, einen Kuehlschrank groesser als unsere Thermosflasche, eine Kueche mit Schneidbrett, Ruestmesser und vier Herdplatten, das Essen von Tellern anstatt direkt aus der Pfanne, das Zurechtfinden in einer Stadt, ohne erst den Lonely Planet aufzuschlagen, einen interessanten Job bei dem wir das Wissen vom Studium fuer mehr brauchen koennen als den Wasserdruck in der Dusche zu regulieren und Netzadapter zu basteln und natuerlich am allermeisten auf das Wiedersehen mit euch allen!
Liebe Gruesse aus einem Internetcafe in Quito, das uns nach so vielen Tagen auf See noch immer ein bisschen schwankig vorkommt 😉
Bis bald,
Petra und Reto
Zum Schluss noch weitere Galapagos-Impressionen:
Seehund beim Apnoeutauchen, das ist UWR-Training!
… und das in aller Oeffentlichkeit!
Die Boobies sehen wahrscheindlich so bloed aus weil sie sich seit jahrtausenden wie ein Pfeil von 30 m Hohe kopfvoran ins Wasser stuerzen lassen, und das alles wegen ein paar Fischen… 😉
