Chill Out in Essouira

Cook it, peal it, boil it or … shut the f*** up!

Für die Ferien der Ferien sind wir nach Essouira gefahren. Das ist eine hübsche Küstenstadt voll von Künstlern, engen Gässchen und weissen Häusern mit blauen Türen. Und Reto hat überhaupt gar keine Lust mehr sich weiterhin von Tajine und Brot zu ernähren…

Er ist der festen Überzeugung, dass seinem Magen hier in der Welt mit Kühlschränken, Touristen und fliessendem Wasser genau gar nichts passieren kann und für den Fall, dass sich diese Theorie nicht bewahrheiten sollte, mieten wir vorsorglich schon mal ein schönes Zimmer mit Meerblick und kurzem Weg zur Toilette… 😀

Weit schwieriger als in die Pizzeria, ist es Reto in den Surfshop zu kriegen. Die Wellen sind zu gross, der Wind zu stark, das Wasser zu kalt. Nach einer viertelstündigen Instruktion paddeln wir schliesslich trozdem frohen Mutes ins Meer hinaus. Zu Beginn geht das ganz gut, doch dann rollt die erste richtig grosse Welle an…

Was jetzt kommt, fühlt sich wie in einer Waschmaschine an. Ich verliere zuerst das Brett und dann die Orientierung. Irgendwann und irgendwie komme ich wieder an die Oberfläche und denke gerade noch «Oh mann oh mann, was tut hier jemand der nicht ganz so gern taucht wie ich?!», dann kommt bereits die zweite Welle. Bei der dritten verliere ich das Haargummi und bei der fünften eine Kontaktlinse.

Eigentlich verbringe ich die ganze erste halbe Stunde damit mich am Brett festzuhalten und nicht zu ertrinken. Ab und zu sehe ich vor mir ein grosses blaues Brett aus einer mächtigen Welle herausspicken und denke «armer Reto!». Danach haben wir aber gelernt, dass man beim durchpaddeln einer Welle weder zu weit vorne noch zu weit hinten liegen sollte.

Danach probieren wir aber doch mal mit den Wellen zu surfen. Der Effekt ist ungefähr der gleiche: Liegt man zu weit vorne, macht man den Überflieger, zuweit hinten die Waschmaschine.

Irgendwann haben dann auch wir geschnallt, dass es für den Anfang besser ist vorne im Weisswasser zu üben, wo man den Kopf zwar nicht nur am Brett, sondern auch am Sandboden anschlagen kann, die Wellen aber nicht mehr ganz die selbe Wucht haben, wie da wo sie brechen. Bis zum Schluss sind jedenfalls sämtliche Fingernägel wieder blitzsauber, die Nasen- und Stirnhöhlen frisch gespühlt und wir schaffen es sogar regelmässig auf dem Brett aufzustehen… yeah yeah yeah!

Ok ok, ich geb’s ja zu: Vielleicht waren die Wellen schon ein klein Bisschen zu gross, und in Anbetracht dessen, dass ich meine Zehen schon seit einer ganzen Weile nicht mehr spühre, war wohl auch das Wasser eher kalt… Sogar damit, dass wir hier in der Welt der Touristen wieder essen können was wir wollen hatte Reto recht, jedenfalls blieb Montezumas Rache bis jetzt aus… 2:0 für ihn!

Zurück in Marrakech verlaufen wir uns noch einmal in den Tiefen des Souks, schauen uns die Stoff-Färbereien an und die Schlangenbeschwörer, Geschichtenerzähler und Wasserverkäufer auf dem Djamâa-el-Fna-Platz. Hier kann man locker eine Stunde oder zwei an der Strasse sitzen, ohne sich zu langweilen… Obwohl jeden Tag viele Touristen hierher kommen ist das Leben erstaunlich marokkanisch geblieben.

Nassir, der sich um das Riad Oriente kümmert, macht sich Sorgen darum, wie wir mit den Grossen Veloschachteln zum Flughafen kommen. Doch hier, wo im 2-Minuten-Takt Eselswagen, Pferde-Kutschen, Tuk-Tuks und Minibusse vorbeifahren ist das kein Problem. Wir entscheiden uns für ein Tuk-Tuk, schmeissen die Schachteln rein, schwingen uns auf den Sattel und hängen an. Den Wind in den Haaren, den Bidon voll mit frisch gepresstem Orangesaft und den Proviant-Beutel gefüllt mit Brot, Datteln und Oliven: Life is good!

Nachdem wir uns nun wieder ins einfache Velo-Leben eingewöhnt hatten, wären wir eigentlich auch ganz gerne noch ein paar Monate weiter geradelt… Trotzdem freuen wir uns… auch auf’s nach Hause kommen.

Hang loose,
Petra & Reto

 

Posted by